Ticket to the glacier

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Einmal unter dem Gletscher zu schlafen, gemütlich in der Hängematte hin und her schaukeln und an die zwanzig Meter dicke Eisdecke über dem Kopf zu sehen. - Diese Idee trug ich nun schon eine ganze Weile mit mir umher. Es war also an der Zeit Taten folgen zu lassen…

Verankert an 20m dicker Eisdecke

Verankert an 20m dicker Eisdecke

Der Spass ging am Samstag schon früh los, um acht Uhr trafen wir, Fäbu, Robert und ich uns zum Packen. Ziemlich verplant schafften wir es dann nach dreimal umkehren und vergessenes Zeugs ins Auto packen doch noch in Richtung Col du Pillion im Berner Oberland zu fahren.
Unser Plan war also geboren, zum gleichen Gletscherloch wo wir an Neujahr eine Highline aufbauten (Hier der Blogbeitrag) wollten wir nochmals hin. Jedoch ohne Slackine, dafür mit Schlafsack und jeder Menge Lampen und Hängematten. Gletscher und Hängematten vertragen sich nüchtern betrachtet gar nicht mal so gut, was uns selbstverständlich nur noch mehr Laune machte und zudem eine super Chance war etwas Neues auszuprobieren.

Das Loch kam zu Stande, da ein ganzer Gletschersee unterirdisch (oder vielleicht besser “untergletscherisch”) ausgelaufen war. Das Wasser hatte ein beeindruckendes Eisloch und anschliessend eine gut 150m lange Grotte in den Gletscher gewaschen. So wollten wir ausgerüstet mit Eisschrauben die schönen Hängematten von “Ticket to the Moon” dort unten an die Decke montieren.

Die Grotte direkt nach dem Eingang

Die Grotte direkt nach dem Eingang

Leider konnten wir kaum abschätzen, wie stark das Loch seit Neujahr schon zugeschneit war und so rechneten wir mit dem heftigsten Schaufel-Spass. Die ganze Fahrt über malten wir uns die Situation aus, wie wir dort oben die ganze Nacht am buddeln wären und einfach nicht in die Grotte kämen.
Und tatsächlich war das Loch fast bis zur Hälfte zugeschneit, der Wind war jedoch beim einschneien auf unserer Seite. Er hatte zum Grotteneingang hinunter eine ziemlich steile Schneewand gebildet, aber den Eingang noch knapp offen gelassen. So konnten wir ziemlich gemütlich in die Grotte hinunter rutschen und dort unten über 100m tief im Gletscher drin unser Lager aufschlagen oder eben einbohren und aufhängen. Hier möchte ich aber noch eine kleine Anmerkung zu “ziemlich gemütlich” machen. Wie es Gletscher, also Eis so an sich hat, ist es sehr rutschig. Nun war der Boden meistens von mitgeschwemmten Kies und Sand bedeckt. Jedoch leider nicht immer und so konnte ich bei bestem Willen nicht mitzählen wie oft wir dort unten einen nicht bedeckten Flecken trafen…

Das Fotografieren und anschliessende Übernachten im erstaunlich warmen Gletscherbiwak, wir schätzten eine Umgebungtemperatur von nicht viel unter minus fünf Grad, machte unglaublich Spass! Vielen Dank an Ticket to the Moon und den Wind, der uns die meiste Arbeit abgenommen hatte.

Geschrieben von Benj